Johannes Held

Foto © Andrej Grlic

Johannes Held
Stipendiat für Musik 2018

*1983 in Böblingen
lebt und arbeitet in Berlin

Johannes Held ist freischaffender Sänger und Sprecher. Die Verschränkung von Sprache und Musik hat ihn immer fasziniert. In dieser Saison war er unter anderem bei der Internationalen Hugo-Wolf Akademie, der Akademie für Alte Musik Berlin, LaVerdi Mailand und dem Lettischen Nationalorchester zu erleben. Außerdem leitet Johannes Held seit seiner Gründung das Kunstlied-Festival DER ZWERG in Sindelfingen und betreibt seinen Youtube-Kanal Lied Lyrics, der sich den Texten des Kunstliedes verschrieben hat.


 

Interview

Wie kamst du zur Musik?

Ich kann mich nicht daran erinnern keine Musik in meinem Leben zu haben. Als ich sehr jung war hat mein Vater, der Bratsche spielt, mich zu seinen Orchesterprojekten mitgenommen und ich saß dann während der Probe in der Kirche rum und habe zugehört. Außerdem hatten wir Streichquartettabende zu Hause und meine Mutter spielt Orgel und Klavier.

Mit vier Jahren kam ich dann in den Kinderchor der Johanneskirche Sindelfingen, wo ich Musik zum ersten mal so erfahren habe, wie ich sie später auch machen wollte: verbunden mit der Szene. Musik, Bühne und Sprache waren für mich immer verbunden, ich wollte mich ausdrücken und habe mich in vielen verschiedenen Projekten ausprobiert. In meiner a capella Gruppe Tinnitus, im Hymnus Chor und der Theater AG am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen.

Als es dann um die Frage ging, was ich studieren wollte, hat mich mein Instinkt zu einem Gesangs- und nicht zu einem Schauspielstudium gezogen. Heute gehe ich langsam wieder ein Stück in die Gegenrichtung und mache Projekte als Sänger, Sprecher und Schauspieler.

 

Wer oder was inspiriert dich?

Mich inspiriert die Tatsache, dass der Prozess, in dem wir uns als Künstler und Menschen befinden, niemals endet. Dass wir nie ankommen, nie fertig werden. Ich habe erlebt, dass Talent sehr bald kaum noch eine Rolle spielt und an seine Stelle die Arbeit und eben der Prozess tritt. Jeden Tag haben wir die Chance uns zu verbessern und neu anzufangen und nur, weil ich heute etwas nicht kann, heißt das nicht, dass das auch morgen noch so sein muss. Ich kann mich aber auch nie einrichten und sagen: So ist es gut, so kann es bleiben. Ich muss weiter üben und lernen und reisen. Es endet nicht.

 

An welchem Stück kannst du dich niemals satthören und warum?

Es gibt für mich nicht das eine Stück, das ich immer wieder höre. Zu jeder Zeit gab es aber immer wieder Musik, die ich quasi ohne Unterbrechung gehört habe. Oft Lieder, aber auch absolute Musik. Als ich noch Tenor war, habe ich mich sehr mit Fritz Wunderlich identifiziert. Er hat auch in Freiburg studiert und irgendwann habe ich dann seinen letzten Liederabend auf CD gefunden. „Ich will meine Seele tauchen“ aus der Dichterliebe war in dieser Zeit sehr wichtig für mich. Das Ganze dauert ja kaum eine Minute, aber wie Wunderlich den Drang und das Sehnen in der Musik ausdrückt und ganz am Ende irgendwie alles mit der einzigen Triole in der Gesangslinie zu erklären scheint, hat mich sehr fasziniert.

Später habe ich Gérard Souzay für mich entdeckt und besonders seine verschiedenen Aufnahmen von Faurés Les berceaux habe ich endlos viele Male angehört. Souzay ist für mich ein Sänger, der absolut ehrlich war. Die Stimme ist natürlich und seine Persönlichkeit klar in ihr erkennbar. Er war nicht perfekt, er war ein Mensch. Das hat mich immer inspiriert, so will ich auch sein.

 

Mit welchem Musiker/welcher Musikerin würdest du gerne einmal auftreten und wo?

Darüber denke ich nicht sehr viel nach. Manchmal merke ich aber, wenn ich dann irgendwo bin, oder ein Werk singe oder spreche, dass ich genau das immer machen wollte, mit genau den Musikern, die gerade da sind.

 

Welche Vorhaben hast du während deines Stipendiums?

Das große Projekt in diesem Jahr wird die CD Aufnahme von Schuberts Winterreise. Ich habe dieses Werk seit vielen Jahren mit verschiedenen Pianisten aufgeführt, aber in den letzten Jahren hat meine szenische Variante „Winterreise staged“, mit der ich mit Daniel Beskow auf Tour bin, mein Verhältnis zu ihr sehr vertieft: Insgesamt habe ich inzwischen wohl 50 Konzerte mit ihr gehabt und wir wollen jetzt die Chance nutzen, das, was wir zusammen gefunden haben, festzuhalten.

 

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