Wenzel Stählin

Wenzel Stählin
Stipendiat für Bildende Kunst 2018

*1985 in Stuttgart
lebt und arbeitet in Leipzig

Wenzel studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Fotografie bei Prof. Heidi Specker und ist Meisterschüler bei Prof. Bernhard Prinz in Kassel. Aktuelle Arbeiten thematisieren Selbstoptimierung, den Wert von Arbeit und eine verschwindende Grenze von Privatem und Beruflichem. Er richtet den Blick dabei auf Gegenstände und ihre Rolle als Symbole oder direkte Akteure von Zeitgeschehen. 


 

Interview

 

Woran arbeitest du aktuell?

Meine aktuelle Arbeit trägt den Titel „Wachsen“. Die Arbeit beschäftigt sich mit Wachstum als aktuell alles bestimmendes Denkmodell und seinen Auswirkungen bis ins Privateste. Die Arbeit betrachtet die Grenzen von Wachstum am Beispiel des menschlichen Körpers sowie den Versuchen, diese Grenzen zu erweitern oder zu sprengen, z.B. durch Fitness, Wellness, Esoterik oder Bodybuilding.

Die Betrachtung des Selbst als „work in progress“, als immer unfertige Variable im Feld von Privatem und Beruflichem führt wiederum zu einem Bild, das den optimierten Körper zum Ausdruck von Erfolg, Potenz und Solvenz werden lässt. Gleichzeitig führt dieser Geist zu der Vermutung, das 'eigentliche Ich' läge irgendwo verborgen unter all dem Fett und all den untherapierten Traumata des Spätkapitalismus, quasi eine bessere Version von einem Selbst.

 

Womit beschäftigst du dich in deiner Arbeit?

Ich interessiere mich für zeitaktuelle Beobachtungen, denen ich mit den Mitteln der Fotografie nachgehe. Oft passiert das durch einen Blick auf Gegenstände, die für mich Symbole, aber genauso handelnde Akteure sind.

Neben dem Unmittelbaren des Fotografischen sind mir dann Übersetzungen und Inszenierungen wichtig, die eine Thematik subtiler aber auch präziser machen können.

 

Wer oder was inspiriert dich?

Zuletzt die Essays von Mark Fisher, der für mich einen Zeitgeist eingefangen hat, der für meine Arbeit sehr wichtig ist. In der Kunst ist mir der Austausch mit Freunden und Kollegen wichtig, das gemeinsame Sprechen über Arbeiten ist essentiell für mich.

 

Mit welcher Persönlichkeit aus der Kunstszene würdest du gerne zusammenarbeiten und warum? 

Ich suche sehr den Austausch mit anderen Künstlern zu gemeinsamen Denkweisen und habe letztes Jahr eine Gruppenshow mit dem Titel „Object Lessons“ initiiert, da habe ich Marie-Luise Marchand, Stephanie Kiwitt und Carsten Tabel eingeladen, außerdem konnten wir einen tollen Farocki-Film zeigen. So etwas würde ich gerne wieder machen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Superflex, weil sie eine Arbeit gemacht haben, mit der ich gerne in einer Ausstellung wäre. Sie heißt „Investment Bank Flowerpots.“

 

Welche Pläne hast du während deines Stipendiums?

Ich will die Zeit nutzen um „Wachsen“ soweit fertig zu machen, wie das eben geht.

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