Andrea Büttner und Martin Pfeifle im Haus der Kunststiftung
Dauer der Ausstellung: 13. Januar bis 26. Februar 2010.
Rede: Axel John Wieder, Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart.
Andrea Büttners Installationen sind von einer umfassenden Vielschichtigkeit: sie führt Holzschnitte, Siebdrucke, Zeichnungen, Fotos und Soundarbeiten zusammen und entwickelt somit neue Bedeutungsebenen. Ihre Werke bewegen sich in der Tradition der Konzeptualismen der 60er und 70er Jahre – um sich zugleich ebenso entschieden von dieser zu lösen.
Sie re-interpretiert Ausdrucksformen wie das Visuelle und Piktorale, das Figurative und Narrative, das Subjektive und das Handwerkliche. Zentrales Moment ihrer Arbeiten ist die künstlerische Analyse: Mit dem Rückgriff auf vermeintlich anachronistische Motive, Rhetoriken und Medien wie beispielsweise den Holzschnitt oder die Glasmalerei durchbricht die Künstlerin die eingespielten Sprachen der Kritik und erweitert so das Feld der künstlerischen Selbstbefragung um existentielle Fragestellungen.
Eine Frage, mit der sich die Künstlerin immer wieder auseinandersetzt, lautet: Wie ist die Schwelle, die ein Kunstwerk zwischen der intimen Praxis der Produktion und der öffentlichen Praxis des Ausstellens einnimmt, zu beschreiben? Andrea Büttners Arbeiten thematisieren sowohl Fragen der individuellen Preisgabe, des Scheiterns und der Scham, als auch die modellhaft-utopische Imagination von Lebensformen, die jenseits der Gefühle der Unzulänglichkeit operieren.
In der Jury-Begründung zur Verleihung des diesjährigen Merian-Preises heißt es: »Büttners Kunst schafft spannungsreiche Bezüge und bringt jeweils Historisches und Neues in einem aktuellen Ausstellungsdispositiv zusammen. Dadurch schafft sie es, auf überragende Weise vielschichtig zu sein, alt und neu in einem Universalanspruch zusammenzufassen.«
Andrea Büttner wurde 1972 in Stuttgart geboren. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und London. Sie studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin sowie Kunstgeschichte und Philosophie in Tübingen, Stuttgart und Berlin. 2008 schloss sie ihr Ph.D.-Studium am Royal College of Art in London ab. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit dem British Institution Award (2005), dem Arbeitsstipendium Ken Tyler Graphics, New York (2006) dem Arbeitsstipendium Cambridge Studio Press, Cambridge (2007) und dem Maria-Sybilla- Merian-Preis (2009).
Martin Pfeifle arbeitet an der Grenze zwischen Skulptur und Installation. Als Bildhauer und Installationskünstler interessieren ihn formale Qualitäten und Materialeigenschaften fragiler Industrieprodukte. Seine Interventionen im Raum sind das Ergebnis eines räumlichen und gestalterischen Transformationsprozess. Dabei verweist er auf die Minimal Art Ästhetik und bezieht die Wahrnehmung des Rezipienten im Entstehen mit ein.
Durch räumliche Transformationen entwickelt er Formen und Strukturen, die er mithilfe typischer Baumarkt-Produkte wie u.a. Neonstäbe, Papier, Gipskarton, Holz und Styropor umsetzt. »Skulpturale und architektonische Ansätze, Oberflächengestaltungen an Wand und Boden und Kombinationen daraus schaffen räumliche Perspektiven und Muster, die den bestehenden Raum im wahrsten Sinne intervenieren.« (Philipp Fürnkäs)
Seine kontextbezogenen Arbeiten nehmen den Raum ganz ein, besetzen und verändern ihn, sie sind Schnitte im Raum: dies erfordert die volle Aufmerksamkeit des Besuchers. Erst in ihrer ganzheitlichen Wahrnehmung und Begehung beginnen sich die verschiedenen Ebenen der Installationen zwischen Räumlichkeit, Form, Konstruktion, Oberflächen und Materialität zu öffnen.
Dabei spielt der Künstler mit Referenzsystemen, wenn in seinen Werken massiv wirkende Konstruktionen aus der Nähe eine fragile Leichtigkeit vermitteln. Das Spiel mit der Realität und dem Fake zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeiten: mit Materialien, die Masse, Ausdehnung oder Stabilität suggerieren.
Martin Pfeifles Installationen entstehen speziell für einen Raum mit einer begrenzten Haltbarkeit. »Dieser Verzicht auf Dauerhaftigkeit verstärkt das Moment des Hier und Jetzt der unmittelbaren Erfahrung, in der sich gleichermaßen Freiheit und Leichtigkeit vermitteln.« (Philipp Fürnkäs) Was letzten Endes nach dem Abbau bleibt, ist die fotografische Abbildung, die der Künstler konsequent selbst vornimmt.
Martin Pfeifle wurde1975 in Stuttgart geboren, er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Von 1998 bis 2004 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Tony Cragg und Prof. Hubert Kiecol. Im Jahr 2004 war er Meisterschüler bei Professor Hubert Kiecol. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Schloss Ringenberg Stipendium des Landes NRW (2007), dem Förderpreis für bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldof (2007) und einem Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn (2009).
Zur Eröffnung am Mittwoch, den 13. Januar 2010, um 19.30 Uhr spricht Axel John Wieder, künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart.
Dauer der Ausstellung:
13. Januar bis 26. Februar 2010
an Feiertagen geschlossen
Montag bis Freitag 9.30 Uhr-13.30 Uhr
Samstag 11-15 Uhr und nach Vereinbarung
- Links:
- Andrea Büttner: www.kunststiftung.net/index.php
Martin Pfeifle: www.pfeifle.de, www.kunststiftung.net/index.php
Künstlerhaus Stuttgart: www.kuenstlerhaus.de/index.php

