
Anna Kolodziejska: O.T. (Innsbrucker Peitsche), 2008, Rock, Gummiband, 8x90x85 cm. Lutz Fezer: Der Todesprediger, Detail, 2009, Plakatierung, zur Versperhütte, Karlsruhe.

Anna Kolodziejska: o.T. (Pantoffel), 2008, Herrenhausschuhe, Packpapier, 40 x 30 x 20 cm.

Lutz Fezer: British Underwear, 2009, pochoir autogramm, 43 x 29 cm.
Anna Kolodziejska und Lutz Fezer im Haus der Kunststiftung
Dauer der Ausstellung: 18. November 2009 - 22. Dezember 2009.
Rede: Dr. Gregor Jansen, Leiter des ZKM Museum für Neue Kunst, Karlsruhe.
Anna Kolodziejskas Arbeiten umfassen Installationen, Projektionen und Collagen. Ihre Konzentration liegt dabei auf der Verfremdung, der Entfunktionalisierung und der Transformation von Objekten. Sie entrückt Dinge nicht nur durch kontextuellen Transfer, mit einem - mal einfachen, mal radikalen - Handgriff entführt sie sie aus dem Bereich des Selbstverständlichen. Wenn Stühle nicht mehr zum Sitzen und Teppiche nicht mehr zum Begehen einladen, tritt uns ihr „Wesen“ klarer vor Augen. Um eben dieses Wesen der Dinge geht es der Künstlerin: Sie möchte eine spezifische Situation schaffen, bestimmt durch Objekt, Präsentation, Raum und deren Relation zueinander, in der die Ordnung der Dinge außer Kraft gesetzt wird und die Poesie des Alltäglichen zum Leuchten kommt.
Ihr neustes Projekt, das sie auf der diesjährigen Art Basel präsentiert hat, nimmt Bezug auf den Film „Tu zostan“ (Bleib hier) des polnischen Regisseurs Andrzej Luby. Der Film erzählt die Geschichte einer unglücklichen Liebe zwischen einem Hausmeister und einer an Depression leidenden Lehrerin, die dasselbe Haus bewohnen. Allein über den Austausch kleiner Objekte führen sie einen Dialog. Alltägliche und einfache Gegenstände werden somit zu Trägern einer unerfüllten Liebe und körperlicher Sehnsucht. Mit ihren Objekten führt Anna Kolodziejska diesen stillen Dialog fort.
„Anna Kolodziejska lotet in ihren Werken das Alltägliche als Möglichkeitsfeld aus. Zwischen dem nicht Notwendigen und nicht Unmöglichen entstehen poetisch virulente Widersinnigkeiten, deren Beschränkung auf das Vertraute und deren kompromisslose Einfachheit in umgekehrtem Verhältnis zum Staunen stehen, das sie auslösen.“ (Margrit Brehm)
Anna Kolodziejska wurde 1976 in Zywiec, Polen, geboren. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe. Von 1999 bis 2005 studierte sie Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, dort war sie Meisterschülerin bei Professor Ernst Caramelle. Ausgezeichnet wurde sie u.a. mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes (2005-2007), mit einem Landesgraduierten Reisestipendium (2006) und einem Stipendium des Landes Baden-Württemberg für die Cité Internationale des Arts, Paris (2007).
In den Arbeiten von Lutz Fezer liegen Pop und Pathos eng beieinander; Models aus Werbeanzeigen berühmter Modelabels, der Roman „Der Todesprediger“ von Gustav Landauer, Songtexte und politische Zitate treffen aufeinander. Er legt frei, was sich hinter der Scheinwelt von Wirtschaft, Werbung, Politik und Wahrheit verbirgt: Korruption, Betrug, Macht und Klassenzugehörigkeit.
Der Künstler arbeitet in der Regel mit einem DIN-A4-Format, als Bildgrund dienen ihm Modefotografien, aus Magazinen ausgeschnitten oder aus dem Netz kopiert, die dünn besprayt werden. Als weitere Eingriffe ins Bild folgen Schnitte und Stanzungen. Die Anzeigen sind von Text perforiert, das heißt der Text ist eigentlich Leertext, ausgestanzt aus dem Papier. Diese Technik steht im Gegensatz zu dem, was die Modewelt normalerweise verkörpert: Glanz und Glamour, Glück und Freude.
Lutz Fezers Experimente mit dem Bildträger sind zugleich Experimente mit dem Ausloten von Anspruch, Norm, Wunsch und Realität, von Individualität. In seinen „Pochoirs“ treffen öffentliche Bild- und Textbotschaften zusammen, die auf individuelle Adressaten, Konsumenten und (politische) Akteure zielen. Die Pochoirs (frz. Schablonen), ermöglichen eine häufige und schnelle Wiederholung eines Motivs. Als Fachbegriff aus der Graffiti-Szene, dienen sie häufig zur Verbreitung von politischen und ideologischen Gedankeninhalten innerhalb eines Stadtgebiets. Thematisch geht es in den Arbeiten von Lutz Fezer um die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Leben und dem öffentlichen Raum, in den er durch Grenzüberschreitungen immer wieder neu eingreift. Als künstlerische Intervention plakatiert der Künstler mit Vorliebe Tordurchfahrten, Unterführungen und zwielichtige Passagenräume mit serienweise Kopien von reproduzierten Bildern einer Scheinwelt („Der Todesprediger“, 2009).
„Er verändert, übermalt, -sprüht, kratzt aus, schneidet ein, deckt zu oder legt frei, was in tagelangen Photoshop-Sessions dem Makel den Teufel austreibt. Seine Technik steht in spannungsvollem Gegensatz zu dem, was Damen in der Modewelt normalerweise verkörpern, nämlich Glanz und Glamour, Glück und Freude.“ (Gregor Jansen).
Lutz Fezer wurde 1973 in Stuttgart geboren, er lebt und arbeitet in Karlsruhe. Von 1994 bis 2000 studierte er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Professor Peter Dreher und Professor Meuser.
Zur Eröffnung am 18. November 2009 um 19.30 Uhr spricht Dr. Gregor Jansen, Leiter des ZKM Museum für Neue Kunst, Karlsruhe.
Ausstellungsdauer:
18. November 2009 bis 22. Dezember 2009
Montag bis Freitag 9.30-13.30 Uhr
Samstag 11-15 Uhr und nach Vereinbarung
An Feiertagen geschlossen
- Links: Anna Kolodziejska: www.kunststiftung.net/index.php
Lutz Fezer: www.kunststiftung.net/index.php
Galerie Bernd Kugler: www.berndkugler.at
