Jahresausstellung der Stipendiaten 2007 in der Städtischen Galerie Ostfildern
Dauer: 10. November – 6. Januar 2009
Lisa Biedlingmaier (*1975 in Tscheljabinsk im Ural) präsentiert Fotografien aus ihrer alten Heimat Georgien. Sie sammelt die Erzählungen und Legenden der Menschen dort und ergänzt sie durch fiktive Elemente. So entstehen poetische Bilder, die sich zwischen Realität und Märchen bewegen, aber immer wieder auch politische und soziale Themen berühren, wie die Armut und Identitätssuche der Menschen in einem gespaltenen Land, das gerade in diesen Tagen die politische Aufmerksamkeit der Welt auf sich zieht.
Ebenfalls im Medium Fotografie bewegt sich Immo Klink (*1972 in Marbach am Neckar). Seine Arbeiten entstehen meist als Serie. Sie tragen Titel wie „Security Operation“ oder „Eurotopia“. Es sind meist gesellschaftliche Systeme oder Strukturen, die ihn interessieren. Das können uniformierte Polizisten und Rettungskräfte bei Einsätzen sein, aber auch Aussteiger, die aus den gesellschaftlichen Systemen auszubrechen versuchen und eigene Formen des Zusammenlebens schaffen. Anhand von besonderen Merkmalen, wie der alternative Bauweise ihrer Behausungen oder der leuchtenden Uniformen im Dunkeln, lenkt er von der sozialen Rolle ab, und lässt den Betrachter auf ein
ästhetisches Phänomen blicken.
Jana Eske (*1978 in Marburg) und Robert Vater zeigen Arbeiten aus dem Videobereich. Jana Eske geht es um die Erforschung von Räumen und Gegenständen. Durch visuelles Abtasten eines Raumes oder eines Gegenstandes erkundet sie schrittweise dem Betrachter vertrautes Terrain in ihm ungewohnter Weise. So verfolgt der Betrachter z.B. den Lauf einer Kugel, die durch Eigenantrieb den Raum durchrollt, oder den Stock eines Blinden, wie er den Raum abschreitet.
Robert Vater (* 1971 in Singen) visualisiert gescheiterte Kommunikation. Unter anderem begegnen sich in fast theatralisch wirkenden Versuchsanordnungen Mann und Frau – agierend und reagierend in abstrakten, bühnen-ähnlichen Räumen. Seine Medien sind Video und Ton, oftmals verknüpft er sie in performanceartigen Auftritten.
Christian Friedrichs (*1977 in Freiburg i. Brsg.) Installationen kreisen um verschiedene Denkmodelle. Der Künstler fragt dabei, wie sich Meinungen, Urteile, Glauben und Affekte bilden und wie sie sich in der Formfindung der Kunst manifestieren. Christian Friedrich ergänzt seine plastischen Arbeiten durch Zeichnungen und Texte. Was ist wahr, was falsch? Gibt es einen kausalen
Zusammenhang zwischen künstlerischer Intension und der Form? Worin findet die Form ihre Legitimität? Der Künstler spielt mit der Erklärungsnot des analytischen Betrachters. Er suggeriert Analogien zwischen geistes- und naturwissenschaftlichen Codierungen und seinen Arbeiten, lässt den
Betrachter am Ende jedoch ohne Auflösung stehen.
Martin Maurer (*1975 in Saarlouis) arbeitet hauptsächlich mit neuen Medien und der neuester Technologie der Informationsbranche. Er beschäftigt sich mit Fragen wie Zeit- und Raumverhältnissen und veranschaulicht diese in digitalen Bildern, z.B. mit Hilfe von Brüchen in der zeitlichen Abfolge von Bewegungsabläufen und dadurch resultierenden verzerrten Bildern. Seine Grundannahme ist, dass die Reflexion über die Welt Form hervorbringen kann und umgekehrt schon das Betrachten von Form Erkenntnis erzeugt. So wie der Raum Objekte enthält, ist die Zeit angefüllt mit Handlung. Zeit ist der
Motor von Raum und Materie und schafft den Kontext für Abläufe und Bewertungen.
Das Werk von Julien Diehn (* 1975 in Berlin) ist oft site-specific, d.h. er bezieht den Ausstellungsort mit ein. Er durchstößt Wände mit Objekten oder lässt Gegenstände durch die Decke stürzen. Architektonische Elemente werden miteinbezogen. Wände, Treppen, Umbausituationen prägen seine
Arbeiten. Auch seine Fotografien zeigen oft Architektur und entheben diese ihrer Funktion, z.B. bei Footballstadien, die er von innen und außen darstellt, steril und ohne Besucher, reduziert auf strukturelle, rhythmische Elemente.
„Wie weit muss ich gehen, um eine Sache von mir selbst zu abstrahieren? Was passiert, wenn man an der Stelle weitermacht, an der etwas in gewöhnlicher Weise beendet wird? Werden wir bedrängt oder überwältigt von den seelischen Zuständen unseres Gegenübers?" Das sind nur einige Fragen, die sich Patrycja German (*1979 in Wroclaw, Polen) in ihrem künstlerischen Schaffen als
Performancekünstlerin stellt. Sie konfrontiert ihr Gegenüber mit ungewohnten und intimen Situationen. Patrycja German erzählt keine Geschichten, sondern fokusiert eine Idee, verzichtet auf illustrierende, unterhaltsame Elemente und missachtet die Erwartung des Publikums im Hinblick auf dramaturgische und spektakuläre Momente.
Städtische Galerie Ostfildern
Im Stadthaus Scharnhauser Park, Gerhard-Koch-Straße 1, 73760 Ostfildern
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Sonntag: 15-18 Uhr
Donnerstag: 15-20 Uhr
Freitag: 10-13 Uhr
Die Ausstellung wird unterstützt vom Sparkassenverband Baden-Württemberg, der Landesbank Baden-Württemberg und dem Kulturengagement "artregio" der Sparkassen-Versicherung.

