Tinka Stock und Bernd Schoch im Haus der Kunststiftung
Dauer der Ausstellung: 22. April - 28. Mai 2009.
Rede: Werner Meyer
„Und die Kunst sagte: alles ist anders!“ - dies ist der Titel, den Tinka Stock ihrer Ausstellung im Haus der Kunststiftung gegeben hat, denn: anders als ursprünglich geplant, ist vorerst mit “ohne titel (prima klima)“ nur eine Plattencover-Arbeit zu sehen, dieser werden noch weitere folgen.
Tinka Stock zeigt eine Werkschau, eine Art Charaktershow ihrer Figuren aus Fimo, die in den letzten 10 Jahren entstanden sind. Werden die Figuren normalerweise extra für einen bestimmten Raum, für eine Installation angefertigt, sind sie nun zum ersten Mal ganz individuell zu sehen.
Neben ihrem persönlichen Umfeld bedient sich die Künstlerin auch kunsthistorischer Vorlagen wie beispielsweise Caravaggios Medusa für die neuste Arbeit, “Medusa“. In ihren Arbeiten überschneiden sich bekannte und weniger bekannte Symbole und Zitate aus den Bereichen Musik, Mode, Subkultur und Tierwelt. Ausgestattet mit Attributen der Äußerlichkeit wie z.B. Heavy Metall–T-shirts oder Converse-Schuhen sind die Figuren stets Platzhalter für eine Lebenshaltung, eine Ideologie: Die “Figur Falling“, die ursprünglich aus der Installation „Sternengucker und Sandmann warten auf die Zeit“ stammt, verkörpert beispielsweise ein Dagegenhalten gegen die heutige Schnelllebigkeit, die "Figur Him“ aus der Installation „I don’t wanna grow up“ protestiert gegen das Erwachsenwerden. Dabei spielt die Trägeroptik stets mit der Irritation unserer Wahrnehmung, mit unseren Vorurteilen und Ängsten.
"ohne titel (prima klima)“ ist die erste Plattencover-Arbeit von Tinka Stock: das umgebaute Plattencover dient als Präsentationsfläche für filigran modellierte Figuren, die sich wiederum direkt oder indirekt auf das Motiv des Plattencovers beziehen. Auf diese Weise sind Arbeiten aus Fimo, Plattencover und Styropor entstanden, die einerseits einen Wiedererkennungseffekt beinhalten, durch die Entfremdung jedoch einer neuen Perspektive Raum geben.
Tinka Stock arbeitet seit 1997 mit Sébastien Wolf im Bereich Animationsfilm und Comic unter dem Namen »Stock’n’Wolf« zusammen. Letztes Jahr ist ihr neuer Comic "PARASITEN-P.A.R.T.Y. oder Wer nix wird wird Wirt" entstanden, der im Haus der Kunststiftung erstmalig präsentiert wird.
Tinka Stock wurde 1976 in Essen geboren, sie lebt und arbeitet in Karlsruhe und Berlin. Von 1997 bis 2002 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und war dort anschließend Meisterschülerin bei Prof. Stephan Balkenhol. Sébastien Wolf wurde 1976 in Essen geboren und lebt in Berlin. Er studierte von 1997 bis 2004 Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf.
Unter dem Titel "Phase Transitions / und so weiter" zeigt Bernd Schoch drei Videoarbeiten: "Plastic Palace People", "Staging" und "Das Wesen des Freejazz 1/3". Diese drei Langzeitbeobachtungen bewegen sich zwischen den Polen Popkultur und Urbanistik. Seine Arbeitsweise entspricht dem klassischen Dokumentarfilmformat, das in den Räumen der Medienkunst Fragen der Montage neu entwirft. Im Zentrum des Materials stehen die Möglichkeit der non- linearen Erzählung sowie die Frage nach der Dauer einer Einstellung und den bewusst gesetzten Leerstellen, die im klassischen Kino anderen Bedingungen unterworfen sind.
Die Videoarbeit "Plastic Palace People" thematisiert den europäischen Trend, die Planung von Geschäfts- und Wohnbezirken ohne Einflussnahme der jeweiligen Bevölkerung durchzuführen. Ausschlaggebend für den Künstler war ein Vorhaben in Oranienburg bei Berlin, wo auf einem Areal von 80 ha eine chinesische Kleinstadt errichtet werden soll. Damit wird fiktiver Alltag aus der Ferne importiert und letztendlich der Mensch musealisiert. "Staging" behandelt die Inszenierung des öffentlichen Raumes durch handelnde Akteure. Die Aufnahmen entstanden im Zuge der Dreharbeiten für "Brand New World-Stufe 1" – ein Dokumentarfilmessay über die Transformation der Stadt als Lebens- und Arbeitsraum in Deutschland. "Das Wesen des FreeJazz 1/3" ist der erste Set eines Langzeitdokumentarfilmprojektes über das Schlippenbach Trio (Alexander von Schlippenbach, Paul Lovens, Evan Parker), das mit seiner Musik europäische Freejazzgeschichte geschrieben hat.
Bernd Schoch wurde 1971 in Ettlingen geboren und lebt in Hamburg und Karlsruhe. Er studierte bis 2007 Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2008 ist er als künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für bildende Künste Hamburg tätig.
Zur Eröffnung am 22. April 2009 um 19.30 Uhr spricht Werner Meyer, Kunsthalle Göppingen.
Dauer der Austellung:
22. April - 28. Mai 2009
Montag bis Freitag 9.30-13.30 Uhr
Samstag 11-15 Uhr und nach Vereinbarung
An Feiertagen geschlossen
- Links: Tinka Stock: www.kunststiftung.net/index.php
Bernd Schoch: www.kunststiftung.net/index.php



