André Wendland
André Wendland
Bildende Kunst 2025
André Wendland (*1995 in Leonberg) arbeitet als Künstler mit einer spielerischen, von Zeichentrick und Cartoons inspirierten Bildsprache. 2017 begann er sein Studium an der Kunstakademie Karlsruhe, das er 2023 mit dem Diplom und 2024 als Meisterschüler von Tatjana Doll abschloss. Er war 2025 Stipendiat der Kunststiftung BW. André Wendland setzt sich in seinen Arbeiten mit unterschiedlichen Themen auseinander und arbeitet oft in kleineren Serien. Dabei experimentiert er mit Formen und Farbflächen, um harmonische, figurative Kompositionen zu entwickeln.
Interview
Welche Pläne hattest du während deines Stipendiums?
Seit Beginn des Stipendiums habe ich an einigen neuen Projekten gearbeitet. Es fällt mir recht schwer, mich festzulegen welche Arbeiten ich als Nächstes verwirklichen möchte. Meistens sind es Ideen, die schon über eine längere Zeit in meinem Kopf herumschwirren und vielleicht bisher auf kleineren Skizzen existieren. Irgendwann sind sie so gefestigt, dass es sich richtig anfühlt sie auf Leinwand zu bringen. So war es auch mit einer Serie von „Tierwesen“, die ich im Oktober bei einer Einzelausstellung in Dänemark (Aarhus) präsentieren durfte. Ein paar Monate früher hätte ich niemals sagen können, dass ich eine ganze Ausstellung mit dieser Art von Motiven machen möchte. Ich habe noch ein paar Ideen für Installationen meiner Arbeit im öffentlichen Raum. Wie, ob und wann ich diese 2026 verwirklichen kann wird sich noch zeigen.
Deine Werke sind sehr farbenfroh und humorvoll. Wovon lässt du dich
inspirieren?
Ideen für Malereien gibt es überall. Oftmals ziehe ich sie was das Thema angeht aus meinem direkten Umfeld. Die Farbigkeit in der Umsetzung hat definitiv in der Ästhetik von Cartoons seinen Ursprung. Ich schaue schon immer gerne Zeichentrickserien, wobei mich sowohl die bunten, simplen Farbflächen als auch der trockene Humor sehr faszinieren. Während meines Studiums gab es dann einen Punkt, an dem ich angefangen habe, mich damit auch im Atelier zu beschäftigen und über die letzten Jahre formte sich dann eine gewisse Bildsprache.
Du installierst deine Werke oft im öffentlichen Raum, wie beispielsweise am
Straßenrand oder in Fenstern. Was reizt dich daran?
Der Wunsch, mit meiner Malerei spielerisch umzugehen, ist während meines Studiums entstanden. Schon damals war mir klar, dass das klassische Hängen an einer weißen Wand für mich auf Dauer nicht ausreicht. Es fühlt sich für mich viel natürlicher an, Auto- Motive am Straßenrand zu zeigen oder Taubenbilder dort zu platzieren, wo sie anderen Tauben begegnen. Mich reizt der Gedanke, dass die Arbeiten bereits etwas erlebt haben, bevor sie vielleicht wieder an einer weißen Wand hängen oder zunächst im Lager verschwinden – als würden diese Erfahrungen Teil ihres eigenen „Lebenslaufs“ werden. Besonders wichtig sind mir auch die Begegnungen, die bei solchen Installationen entstehen. Das sind Situationen, die es in traditionellen Ausstellungsräumen wie Galerien oder Museen so nie geben würde. 2024 habe ich gemeinsam mit meinem Künstlerfreund Vincent Krüger eine Ausstellung in den Fenstern bewohnter Häuser in der Karlsruher Innenstadt realisiert. Wir haben bei vier Wohnungen geklingelt und wildfremden Menschen erklärt, dass wir gerne ihre Fenster ausmessen würden, um dort für einen Tag Malereien zu installieren. Überraschenderweise fanden alle die Idee super – und verzichteten damit sogar einen Tag lang auf Tageslicht. In solchen Momenten geht es nicht mehr nur um Malerei, sondern darum, wie Kunst Menschen miteinander verbinden kann. Während der Ausstellungszeit begegnen den Arbeiten nicht nur kunstinteressierte Galeriebesucher*innen, sondern auch Menschen, die von sich aus niemals eine Ausstellung betreten würden.
In der Kunststiftung wird aktuell deine Wandarbeit „Cutting (H)edge” ausgestellt.
Erzähle uns mehr über diese Arbeit!
Schon lange hatte ich Lust, ein großformatiges Bild zu malen, bei dem eine scheinbar einfarbige Fläche den Großteil der Komposition einnimmt. Mich hat gereizt, herauszufinden, wie man so eine Fläche malerisch spannend halten kann: Arbeite ich mit dicken Farbstrukturen und vielen Details, sodass die Hecke wirklich wie eine Hecke wirkt? Oder gehe ich sehr lasierend vor und lasse Details bewusst weg?
Einige Male habe ich mich, nachdem ich eine große Leinwand vorbereitet hatte, noch kurzfristig für Motive aus meinem eigenen Wohlfühlbereich entschieden, bevor ich mich schließlich dazu durchgerungen habe, es auszuprobieren. Eine erste grobe Skizze entstand wie so oft vorab auf dem iPad. Da ich ein ziemlich harmoniebedürftiger Maler bin, ist mir eine ausgewogene Komposition besonders wichtig. Formen, die auf einer Seite der Leinwand auftauchen, versuche ich an anderer Stelle in veränderter Form wieder aufzugreifen. So taucht die Form der geschnittenen Hecke von oben links am unteren rechten Bildrand noch einmal auf – nur anders gedacht.
Viele Entscheidungen sind erst während des Malprozesses entstanden. Zum Beispiel der Grashalm, der im Getränk der Frau landet. Das war kein großer Plan, hat dem Bild aber gut getan, die Komposition geschärft und dem Ganzen eine bestimmte Stimmung gegeben.
Auch der Titel „Cutting (H)edge" ist mit einem Augenzwinkern gemeint. „Cutting edge“ steht für etwas, das auf dem neuesten Stand ist – und der Mann mit der Heckenschere ist das in diesem Moment wortwörtlich. Gleichzeitig bleibt offen, wie die Figuren zueinander stehen. Ist es ihr Partner, der Sonntagnachmittags noch schnell die Hecke schneiden möchte, während sie lieber entspannt Musik hört und ihren Cocktail trinkt? Oder doch ein Nachbar, der findet, die Hecke sei ein paar Zentimeter zu hoch geraten? Diese Offenheit ist mir wichtig – ich weiß es selbst nicht genau und überlasse das gern den Betrachtenden.



