Minh Duc Pham

Installationsansicht „A liar would always tell the same story“

Minh Duc Pham 
Stipendiat für Bildende Kunst 2020

Minh Duc Pham (*1991 in Schlema) ist ein deutsch-vietnamesischer Künstler. Neben dem Studium der Ausstellungsgestaltung und Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Ge-staltung Karlsruhe studierte Pham Performance Studies an der Universität der Künste in Ber-lin. Phams künstlerische Praxis schafft einen alternativen Raum, weg von einem ständigen unterdrückten, marginalisierten Blick innerhalb einer normativen Welt. Während dieses sub-versiven, von Fürsorge begleiteten Aktes zielt die künstlerische Arbeit auf die Dekonstruktion internalisierter Normen und gängiger soziologischer Narrativen. Sie ist Ausdruck eines drän-genden Gestaltungswillens nach Veränderung, Selbstermächtigung und dem Verlangen nach selbstbestimmter, sozialer Mobilität. Phams künstlerische Positionen können als Einzelwerke betrachtet werden, sind in ihrer Praxis jedoch als aufbauende Zyklen zu verstehen.


Kontakt: m.d.pham@me.com.

Interview

Woran arbeitest du aktuell?

Konkret arbeite ich an einer Installation mit Rosen. Sie ist eine Anlehnung an ein Rosenbild, das meine Mutter während einer Arbeitsmaßnahme in den 1990er Jahren gemalt hat. Rosen sind vielschichtig interpretierbar und wurden in der Kunstgeschichte zum Sinnbild für Liebe, Sex und patriarchale Macht. Gertrude Steins Zitat ‚Rose is a rose is a rose‘ sowie Marcel Duchamps Alter Ego ‚Rrose Sélavy‘ formten 1997 den Titel des ersten Ausstellungskataloges zu queer- und genderbezogener Kunst im Guggenheim Museum. Mit dem Narrativ meiner Mutter werden die Rosen zu einem Akt des Überlebens, des Widerstandes und zum Zeichen eines Missverständnisses, das zwischen meiner Generation und der meiner Eltern steht.

Ich arbeite aktuell auch im Bereich der Performance und Bühnengestaltung, wo ich unter anderem mit Agnes Scherer (Bildende Künstlerin in Berlin), Anh Trieu (Filmemacherin in Berlin), Monika Truong (Performance Künstlerin in Zürich) und Fang Yun Lo/ Polymer DMT (Performance Kollektiv in Essen) kollaboriere.

Womit beschäftigst du dich in deiner Arbeit?

Kernthemen meiner künstlerischen Arbeit sind Untersuchungen und wesentliche Fragen rund um die Themenbereiche Identität und Zugehörigkeit. Als queere Person mit vietnamesischer Abstammung in Deutschland fühle ich mich stets doppelt mit dem Thema der Identitätsnormierung konfrontiert. Meine natürliche Entwicklung war durch die permanente Suche nach scheinbar erfolgsversprechender Verschleierung und Anpassung blockiert: ich musste zum eigenen Schutz unsichtbar sein.

Zusätzlich ist meine künstlerische Arbeit stark mit dem Schicksal meiner Eltern verbunden. Sie kamen in den frühen 1980er Jahren als VertragsarbeiterInnen in die ehemalige DDR. Geprägt von Flucht, der Nachkriegszeit des Vietnamkrieges und genozidalen Arbeitsbedingungen schaffte ihr konsequenter und bisweilen grausamer Lebensweg mithin die Grundlage eines Privilegienwechsels für meine Generation.

Wer oder was inspiriert dich?

Ich bin inspiriert durch mein Umfeld, sprich Freunde und Familienangehörige (vor allem meine Mutter) und die Art und Weise, wie sie ihren Alltag bewältigen und sich gegen strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung auflehnen. Außerdem hat mir der Kunstkatalog ‚Rrose is a rrose is a rrose‘ nachhaltig konstruktive, künstlerische Positionen, wie die von Claude Cahun, Hannah Wilke und Valie Export, eröffnet.

Mit welcher Persönlichkeit aus der Kunstszene würdest du gerne zusammenarbeiten und warum?

Danh Vo - seine Art der Kontextualisierung, des Sammelns und Kuratierens von biografisch relevanten Momenten zu einem Gesamtkunstwerk Yoko Ono - ‚Ex it‘ (1997)

Grayson Perry - Kombination von traditionellem Kunsthandwerk mit moderner Technologie und sozialkritischem Symbolismus

Nick Cave - skulpturale Kostüme mit Performance und Sound

Welche Pläne hast du während deines Stipendiums?

Während des Stipendiums widme ich mich der Recherche zur Thematik ‚Körper und Verstand‘ und der Aufarbeitung der vietnamesisch-deutschen Vertragsarbeit in den 1980er Jahren. Außerdem möchte ich die Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen und Kollektiven weiter verstärken.

 

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